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«Es hat mir geholfen, mein Suchtverhalten besser zu verstehen und Ziele für mein eigenes Konsumverhalten festzulegen und umzusetzen.»
G. D.

16.06.2026

Weniger ist besser

Gibt es einen risikoarmen Alkoholkonsum? Um es gleich vorwegzunehmen: Nein, den gibt es nicht. Das ist die offizielle Haltung der Suchtfachstelle Zürich.

Weniger ist besser

Gibt es einen risikoarmen Alkoholkonsum? Heute müssen wir sagen: nein. «Weniger ist besser», gilt für alle. (Bild: Prateek Katyal/Unsplash)

Suchtfachstelle Zürich

Die eidgenössische Kommission für Fragen zu Sucht und Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (EKSN) hat Anfang März 2026 den Bericht «Alkohol und Gesundheit: Stand der wissenschaftlichen Kenntnisse» veröffentlicht. Darin macht sie klar:

  • Auch ein geringer Alkoholkonsum birgt Gesundheitsrisiken, wobei diese Wirkungen von Faktoren wie Alter, genetischer Veranlagung und Gesundheitszustand abhängen.
  • Reduzierter Alkoholkonsum oder der Verzicht darauf können diese Risiken verkleinern.
  • Alkoholkonsum erhöht unter anderem das Risiko für verschiedene Krebsarten.

Bis anhin stützte sich die Suchtfachstelle Zürich bei der Frage nach risikoarmem Alkoholkonsum auf die Orientierungswerte der EKAL (eidgenössischen Kommission für Alkoholfragen) aus dem Jahr 2018 ab. Als risikoarmer Konsum galten nach dem damaligen Wissensstand maximal 5 Standardgetränke pro Woche für Frauen und 10 für Männer, wenn einige alkoholfreie Tage dazwischen liegen. Ein Standardgetränk entspricht 1 dl Wein oder 3 dl Bier und enthält zwischen 10 und 12 g reinen Alkohol. Diese Orientierungswerte haben ihre Gültigkeit verloren.

Schäden des Alkoholkonsums 

Die Weltgesundheitsorganisation WHO veröffentlichte bereits 2023 einen Bericht, wonach es beim Alkoholkonsum keine gesundheitlich unbedenkliche Menge gibt. Sie bezog sich auf eine Klassifikation der internationalen Agentur für Krebsforschung, wonach Alkohol eine toxische, psychoaktive, suchterzeugende und krebserregende Substanz sei, die verschiedene Krebsarten nach sich ziehen könne wie Leber-, Darm-, Speiseröhren- und Brustkrebs. «Alkoholkonsum wird weltweit mit 740'000 neuen Krebsfällen pro Jahr in Verbindung gebracht.»

Ein weiterer WHO-Bericht untersuchte 2024 die Rolle von Alkohol bei 31 Todes-, Krankheits- und Unfallursachen. Es zeigte sich, dass Alkoholkonsum in Zusammenhang mit Risiken für Lebererkrankungen, verschiedenen Krebsarten, psychischen Problemen (Depressionen, Angstzuständen), Gewalt und Unfällen steht.

Ob ein geringer Alkoholkonsum auch Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen birgt, wird noch diskutiert. 

Sucht im Allgemeinen und die Alkoholsucht im Besonderen verursacht ausserdem einen volkswirtschaftlichen Schaden. Eine Studie von 2017 analysierte die direkten und indirekten Kosten, die durch Suchtverhalten in der Schweiz ausgelöst werden. Sie kommt auf einen Wert von 7,9 Milliarden Franken. Direkte Kosten entsprechen Leistungen in der Gesundheitsversorgung und in der Strafverfolgung. Indirekte Kosten sind Produktivitätsverluste aufgrund von vorzeitigen Todesfällen und Krankheitsausfällen. Beim Alkohol beziffert die Studie Kosten von 2,8 Milliarden Franken; dreiviertel davon erzeugt durch Produktivitätsverluste. 

Zusammenfassung

Aktuelle Erkenntnisse aus der Wissenschaft zeigen, dass Alkoholkonsum – schon in geringen Mengen – das Risiko für gewisse Krankheiten erhöht, vor allem für Krebs und möglicherweise auch für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Zudem ist die Annahme klar widerlegt, wonach ein Glas Wein pro Tag sogar gesund sein und vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen soll. Deshalb gilt: Weniger ist besser.

Umstrittene Höchstmengen

Die Konsumgewohnheiten verändern sich. Immer mehr Menschen in der Schweiz reduzieren ihren Alkoholkonsum. Seit 2001 sank der durchschnittliche jährliche Verkauf von reinem Trinkalkohol von 10,6 Liter auf 7,6 Liter pro Kopf (2024). Aber das bedeutet nicht, dass alle Menschen weniger trinken.

Ein erhöhtes Risiko für gewisse Krebsarten ist, wie auf Seite 1 beschrieben, auch bei kleinen Trinkmengen gegeben. Geht es um das Risiko, eine Suchterkrankung zu entwickeln, unterscheiden sich die Empfehlungen. Es geht darum, nicht zu häufig Alkohol zu trinken und nicht zu viel aufs Mal, um eine Gewöhnung zu vermeiden. Expert*innengruppen diskutieren seit Jahren die Höchstmengen für einen risikoarmen Alkoholkonsum und haben diese im Lauf der Zeit in der Schweiz und in anderen Ländern nach unten korrigiert. 

Kann oder will jemand nicht auf Alkohol verzichten oder strebt einen kontrollierten Konsum an, empfehlen sich folgende Höchstmengen:

Gesunde Erwachsene
  • Frauen: maximal 1 Standardgetränk* pro Tag
  • Männer: maximal 2 Standardgetränke pro Tag
  • Beide: mindestens 2 alkoholfreie Trage pro Woche zur Vermeidung einer Toleranzbildung
  • Wenn im Verlauf mehrerer Stunden ausnahmsweise mehr getrunken wird, dann sollten Frauen nicht mehr als 4 Standardgetränke konsumieren und Männer nicht mehr als 5.

* Als alkoholische Standardgetränke gelten:

  • 1 Stange (30 cl) respektive 1 Flasche (33 cl) Bier oder Alcopop
  • 1 Glas (10 cl) Rotwein, Weisswein oder Prosecco
  • 1 Glas (3 cl) Spirituosen
  • 1 Mischgetränk mit 3 cl Spirituosen (z. B. Vodka Orange)

In einem Standardgetränk sind 10 bis 12 Gramm reiner Alkohol (Ethanol) enthalten.

Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene
  • Kinder und Jugendliche sollten aus gesundheitlichen Gründen keinen Alkohol konsumieren.
  • Junge Erwachsene sollen wenig und selten Alkohol konsumieren. Rauschtrinkepisoden sind zu vermeiden.
Ältere Menschen
  • Mit zunehmendem Alter soll der Alkoholkonsum reduziert werden.
  • Ältere Menschen reagieren sensibler auf Alkohol, da sich der Stoffwechsel sowie der Wasserhaushalt mit dem Älterwerden verändern.
  • Bei Medikamenteneinnahme ist zusätzlich Vorsicht geboten.
Besondere Situationen

Kein Alkohol

  • während der Schwangerschaft und der Stillzeit
  • bei der Einnahme von Medikamenten
  • im Strassenverkehr
  • bei Tätigkeiten, die erhöhte Konzentration benötigen
  • bei sportlichen Aktivitäten

Mit diesem Haltungspapier möchten wir dazu beitragen, dass jeder Mensch eine informierte Entscheidung über seinen individuellen Alkoholkonsum treffen kann. Grundsätzlich gilt: Weniger ist besser.

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